Arbeiten im Hochsommer - wenn im Büro die Temperaturen steigen
Viel Qualm beim Arbeitgeber: Casino-Mitarbeiter muss Rauch dulden

Arbeiten während der EM – so vermeiden Sie eine rote Karte vom Chef

Bald beginnt die Fußball-Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Viele Spiele finden während der üblichen Arbeitszeit statt - zum Teil am frühen Nachmittag um 15 Uhr.

Für manche Arbeitnehmer wird das womöglich zum Dilemma: Es läuft ein spannendes Spiel und er möchte es gerne sehen – welche Rechte stehen ihm zu? Darf er einfach einen Fernseher aufstellen oder das Radio einschalten?

Peter Kaumanns LL.M., Rechtsanwalt für Arbeitsrecht sowie Fachanwalt für IT-Recht, klärt einige wichtige Fragen rund um die EM am Arbeitsplatz.

Darf ich die EM-Spiele in der Firma auf dem Fernseher oder im Internet gucken?

Auch bei einer Europameisterschaft gilt der Grundsatz: Bei der Arbeit muss gearbeitet werden. Deshalb ist es nicht erlaubt, während der Arbeitszeit den Fernseher einzuschalten oder die Spiele am Radio mit zu verfolgen. Streng genommen ist es sogar verboten, einen Live-Ticker im Internet zu beobachten – auch das gehört zum privaten Vergnügen und ist nicht dienstlich. Etwas anderes kann nur gelten, wenn eine ausdrückliche Erlaubnis des Arbeitgebers vorliegt: Die sollte man sich sicherheitshalber vorher besorgen – bestenfalls sogar schriftlich.

Was ist, wenn auch alle anderen Kollegen das Spiel sehen wollen?

Auch hier gilt nichts anderes. Natürlich ist es möglich, im Büro ein Public Viewing Event zu veranstalten – aber auch das geht nur mit Einwilligung des Chefs. Der Arbeitgeber kann grundsätzlich entscheiden, ob er eine solche Veranstaltung selbst veranstaltet, duldet oder schlicht gar nicht will. Einen Anspruch darauf gibt es aber nicht. Wer sich nicht daran hält, riskiert von seinem Vorgesetzten abgemahnt oder gar gekündigt zu werden. Möchte man selbst eine Feier während der Arbeitszeit organisieren, muss sie also zwingend mit dem Chef abgesprochen werden.

Darf ich bei „wichtigen“ Spielen früher nach Hause gehen?

Wer bestimmte Spiele sehen will, sollte sich vorher Urlaub nehmen. Möglicherweise ist die EM auch eine gute Möglichkeit, geleistete Überstunden abzubauen – darüber sollte man mit dem Chef sprechen. Auch durch Vor- und Nacharbeit der Stunden kann in vielen Betrieben eine Regelung getroffen werden. Und auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Vorgesetzte, die gerne mal ein Auge zudrücken – natürlich nur, wenn es die betrieblichen Gegebenheiten zulassen. Ein Geschäft, das grundsätzlich bis 20 Uhr geöffnet hat, wird also kaum vorher schließen können. Es riskiert schließlich Kunden zu verlieren.

Kann mir mein Chef verbieten, im Fußball-Trikot zur Arbeit zu erscheinen?

Auch während der Europameisterschaft ist die übliche Etikette am Arbeitsplatz einzuhalten. Der Arbeitgeber kann erwarten, dass seine Angestellten in branchenüblicher Kleidung erscheinen – insbesondere wenn sie häufig Kontakt mit Kunden haben. Wer also stets im Anzug, Kleid oder Kostüm am Arbeitsplatz erscheint, sollte daran auch während der EM nichts ändern.

Darf ich beim Public Viewing im Büro Alkohol trinken?

Hier gilt, wie so oft: Der Chef entscheidet! Grundsätzlich besteht zwar kein Alkoholverbot am Arbeitsplatz. Allerdings gibt es für den Arbeitnehmer die Verpflichtung, die eigene Leistungsfähigkeit sowie die Sicherheit am Arbeitsplatz nicht zu gefährden. Gibt es Anzeichen dafür, dass durch den Genuss von Alkohol die Leistungsfähigkeit oder die Sicherheit beeinträchtigt werden, darf der Arbeitgeber den Angestellten aus dem Betrieb verweisen.

Mein Team ist weiter, ich habe kräftig gefeiert und bin am nächsten Morgen verkatert. Darf ich mich krank melden?

Auch, wenn es dem Arbeitgeber nicht gefallen mag: Krank ist krank. Und das gilt auch für einen alkoholbedingten Kater. Bei Erkrankungen liegt in der Regel kein Verschulden des Arbeitnehmers vor. Ausnahmen sind sicherlich exzessive Fälle. Wer krank ist, muss das seinem Arbeitgeber melden. Dazu ist er gesetzlich verpflichtet.

Haben Sie Fragen zum Arbeitsrecht? Wir beraten Sie gern - nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!

Ein ähnlicher Artikel von Peter Kaumanns erschien übrigens auch bei "Legal Tribune Online" (LTO.de).

Rechtsanwalt Peter Kaumanns hat zu diesem Thema auch ein Interview in der Radio-Sendung "Arbeitsplatz" (SWR 1) gegeben. Das können Sie an dieser Stelle hören.

Auch WDR aktuell hat berichtet. Es ging um die Frage: Darf ich mich nach einer EM-Party krank melden? Einen Ausschnitt aus dem Beitrag können Sie an dieser Stelle sehen.