Anmerkung zum Urteil des AG Neuss (32 C 409/02) - Nicht alle Dialer sind gleich

Die Nummer mit der 700

Rechtsanwalt Anselm Withöft (Januar 1999)

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) in Bonn erfreut die Telefonkunden mit immer neuen Dienstleistungen. Zum Angebot gehört neuerdings eine "persönliche Rufnummer". Dahinter verbirgt sich eine Abkehr vom bisherigen Zuteilungsverfahren für Rufnummern hin zu einem Verfahren, das – in weiten Teilen – der Vergabe von Internet-Domains ähnelt. Nach dem Prinzip "first come, first served" werden die Nummern verteilt, sofern die beantragte Ziffernfolge noch frei ist. Voraussetzung ist, dass die Wunschnummer mindestens acht Ziffern lang ist. Erreichbar sind diese Nummern dann bundesweit unter der Vorwahl "0700". Damit wird es zukünftig auch möglich, seine Nummer nach dem Alphabet auszusuchen. Dabei wird wie in anderen Ländern auch ein Buchstabe einer Ziffer auf der Telefontastatur zugeordnet. Nummern wie "0700-ANWAELTE" oder "0700-NOTDIENST" könnten daher bald an der Tagesordnung sein.

Probleme könnten sich natürlich dann ergeben, wenn die gewünschte Nummer rein "zufällig" genau der Buchstabenfolge eines Unternehmens entspricht. Wenn beispielsweise ein bekannter Autohersteller unter "0700-VOLKSWAGEN" auftreten möchte, um bundesweit einheitlich erreichbar zu sein, wird der sich ganz schön umschauen, wenn die Wunschnummer schon belegt sein. Und dann geht unter Umständen derselbe Verteilungskampf los wie bei Internet-Domains – schließlich ist ja auch hier jede "Adresse" einmalig.

Die Regulierungsbehörde hat die Benutzung allderdings mit einigen Restriktionen belegt, die derartigen Zuständen vorbeugen sollen. So ist etwa der Interessent verpflichtet, der Behörde auf Verlangen mitzuteilen, was er mit der Nummer anfangen möchte. Außerdem besteht die Verpflichtung, die Nummer nach 90 Tagen in Benutzung zu nehmen, wohl um übermäßiges "Blockieren" von Nummern zu unterbinden. Es ist aber natürlich fraglich, was damit genau gemeint ist (ein Anruf im Monat?, Werbung für die Nummer?). Außerdem musste diese Frist wieder außer Kraft gesetzt werden, da die Anbieter derzeit noch gar nicht in der Lage sind, das Angebot der Behörde umzusetzen.

Eine Nummer wird voraussichtlich einmalig 150 DM kosten. Wer sich eine Nummer zulegen möchte, findet auf der Homepage des Amts sogar eine ZIP-Datei mit den schon vergebenen Nummern. Die Liste wird täglich aktualisiert. Wer sie öffnet, wird feststellen, dass Nummern wie "12345678" oder "66666666" schon vergeben sind. Die Nummer "78763637" auch. Sie dürfen raten, an wen...