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Second Life: Neue Welten, neue Rechtsfragen

Geld leihen über das Internet - Private Kredite online jetzt auch in Deutschland

von Rechtsanwalt Dr. Volker Herrmann

Im Ausland gibt es bereits seit längerem Internetplattformen, die Kredite unter Privatleuten vermitteln. In den Vereinigten Staaten gibt es beispielsweise die Internetplattform Prosper, in England Zopa und in Dänemark Fairrates. Das System ist zunächst einfach: Privatpersonen können über diese Internetplattformen Geld an andere Personen verleihen. Der jeweilige Anbieter fungiert dabei gleichsam als Vermittler zwischen Personen, die einen Kredit in Anspruch nehmen wollen, und solchen, die Kredite vergeben wollen.

Natürlich geschieht dies nicht umsonst, da auch bei diesen Krediten Zinsen und Gebühren anfallen. Allerdings sollen diese Kreditzinsen nach Angaben der Betreiber günstiger sein, als dies sonst der Fall ist. Ob dies tatsächlich der Fall ist, hängt aber vom jeweiligen Einzelfall und der individuellen Einstufung des Kreditsuchenden durch die jeweilige Plattform ab.

Auch in Deutschland gibt es nunmehr solche Anbieter, wobei in den Medien insbesondere über Smava berichtet wurde. In rechtlicher Hinsicht stellen diese neuen Vermittlungsplattformen neue rechtliche Fragen auf und zuletzt hat sich sogar die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als staatliche Aufsichtsbehörde umfassend zu diesem neuartigen Internetportalen geäußert. Insbesondere geht es dabei um die Frage, ob die jeweiligen Betreiber dieser Internetauftritte, aber auch die jeweiligen User, die Kredite anbieten oder in Anspruch nehmen wollen, eine behördliche Erlaubnis benötigen. Die BaFin hat hierzu angekündigt, jeweils im Einzelfall zu überprüfen, ob die Betreiber und Nutzer einer Erlaubnispflicht unterliegen.

Für die Nutzer solche Plattformen gilt dabei im Regelfall, dass einzelne Kredite privater Natur zumeist nicht erlaubnispflichtig sein werden und das neue Angebot genutzt werden kann, ohne das Post von der BaFin droht. Allerdings hat die BaFin ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine behördliche Erlaubnis vorliegen muss, wenn die Kredite gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen kaufmännisch eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, vergeben werden. Wer also als User diese neuen Internetplattformen gewerblich nutzen will, muss damit rechnen, dass die zuständige Aufsichtsbehörde hiergegen vorgeht, wenn keine entsprechende Erlaubnis vorliegt. Dies ist beispielsweise dann vorstellbar, wenn jemand eine Vielzahl von privaten Krediten über eine solche Plattform vergibt, und über die anfallenden Zinsen dann ein erhebliches Nebeneinkommen erzielt.

Für die jeweiligen Betreiber der Plattformen geht die BaFin davon aus, dass diese zunächst nicht per se unter der Aufsicht der BaFin stehen, jedoch im Einzelfall geprüft wird, ob eine Erlaubnispflicht besteht. Die BaFin behält sich also je nach konkreter Ausgestaltung der einzelnen Vermittlungsplattformen vor, die Frage, ob eine bankrechtliche Erlaubnispflicht besteht, näher zu prüfen. Bislang geht die BaFin in der Praxis davon aus, dass die Betreiber nicht mit einer Bank gleichgestellt werden können und daher keine besondere Genehmigung brauchen.

Für den Nutzer solcher Plattformen ist besonders wichtig, wie sicher das jeweilige System ist und wer im Falle eines Falles das Verlustrisiko trägt. Hier sollte jeder Interessierte die Teilnahmebedingungen und Sicherheitsmechanismen des jeweiligen Anbieters genau studieren, bevor er sich entscheidet. Die Sicherungssysteme der einzelnen Plattformen sind höchst unterschiedlich und interessierte Kreditgeber sollten sich zuvor versichern, auf welche Weise ihr Geld abgesichert ist. Tragen die Kreditgeber nämlich selbst das Ausfallrisiko, können sich diese im Falle einer Pleite des Kreditnehmers nicht an die jeweilige Internetplattform wenden, sondern wären darauf angewiesen, die Rückzahlung des Kredits direkt von dem Kreditnehmer selbst zu verlangen und mühsam einzuklagen.

Besonders wichtig ist daher auch, dass interessierte Nutzer zuvor prüfen, auf welche Art und Weise die teilnehmenden Kreditnehmer und Kreditgeber von dem jeweiligen Anbieter auf Bonität und Seriosität geprüft werden, damit es später keine unangenehmen Überraschungen gibt.